Avocados, so definierte einst der selige Fernseh-Onkel Robert Lembke, sind keine Juristen, sondern Exoten der etwas anderen Art. Avocados, so verraten uns schlaue Bücher, lassen sich nicht enfach in eine Schublade einordnen - sie sind Obst und Gemüse zugleich.
Auf jeden Fall zeichnen sich die birnenförmiges Früchte (auch als Alligatorbirnen bezeichnet) durch ausserordentlichen Wohlgeschmack aus. Und ihr cremiges Fleisch, dass im Aroma leicht an junge Haselnüsse erinnert, krönt nicht nur jeden Salat, es lässt sich auch vielfältig kombinieren. Zum Beispiel mit Meeresgetier wie Shrimps oder Garnelen.
Die Frucht wächst an dicht belaubten Bäumen. Schon die Maya und die Azteken kannten sie. Sie nannten sie "ahuacatl" und schwärmten von ihr als Speise der Götter. Einmal mehr war es der nimmersatte Cortes, der bitterboese Eroberer aus Spanien, der Avocados im 16. Jahrhundert mit nach Europa brachte. Noch heute zählt Andalusien zu den wenigen Gegenden in der alten Welt, in denen die Pflanze das Klima fand, das sie zum Gedeihen benötigt.
Ernährungswissenschaftler preisen uns die Avocado als äusserst wertvolle Frucht an. Sie weist zwar einen hohen Fettanteil aus (fast ein Drittel), doch handelt es sich hier um gesundes Fett, um ungesättigte Fettsäuren, die unseren Cholesterinspiegel senken.
Verborgen bleibt uns meist, welche Sorte wir gerade einkaufen. Es gibt nicht "die" Avocado, sondern eine ganze Familie. Unterschiede zeigen sich in erster Linie bei der Schale. Sie kann hellgrün sein, aber auch violett, dunkelbraun, fast schwarz. Die Beschaffenheit wechselt zwischen glatt und runzlig.
Den Züchtern ist es mittlerweile gelungen, eine vielzahl an Sorten zu ziehen, von Reed bis Hass, von Bacon bis Fürte. Egal wie sie heissen, die Vielfalt hat Vorteile. Die Früchte werden zu verschiedenen Zeiten reif, wir sind so rund ums Jahr mit Avocados versorgt.
Autor: Hans-Ulrich Prost